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Thérèse von Lisieux - Aufstieg durch Abstieg

Thérèse von Lisieux, geboren 1873 in der Normandie, war ein junges bedeutungsvolles Mädchen oder Frau aus dem Norden von Frankreich die nur 24 Jahre alt wurde. Ihre Geschichte ist nach der Bibel, das meistgelesene Buch Frankreichs. Die meisten von uns verstehen unter Erfolg «einen Aufstieg», aus etwas Schlechterem zu etwas Besserem. Therese Lebensgeschichte lehrt uns das Erfolg keineswegs mit Aufstieg zusammenhängen muss. Ein Input.

Quelle: youtube.com, Johannes Hartl, 15.12.17, https://www.youtube.com/watch?v=jJh7M8gYrFE, zugriff


Demut und Anti-Selbstverwirklichung

1. Start in einer heilen Welt

Thérèse erlebte das was man unter einer wohlbehüteten Kindheit verstehen würde. Als jüngste von vielen Geschwister wuchs sie in einem frommen, wohlhabenden Elternhaus auf. Sie startet von einer heilen Welt aus. Sie war sehr begabt, intelligent und überaus heroisch. Ihr Glaube war sehr gross und schon als kleines Kind hatte sie eine sehr starke Jesusbeziehung. Ihre Erstkommunion erlebte sie sehr intensiv. Therese hatte den innigen Wunsch etwas Grosses zu vollbringen und den Drang eine Heilige zu sein, Gross zu sein. Ein grosses Vorbild war für sie Jeanne d’arc eine französische Nationalheldin. Ihre Geschichte des Abstiegs ist ein intensiver Weg mit Jesus in grosser Leidenschaft für Gebet. Ihr Leben ist eine Hingabe an Gott und ihre Mitmenschen, ihr sogenannter «kleiner Weg» der Liebe.


2. Entdeckung der Stellvertretung

Thérèse heile Welt zerbricht als ihre Mutter stirbt. Daraufhin wurde sie ein sehr überempfindliches Mädchen und sentimental. Es ist eine Zeit wo sie Gott in der Natur erkennt und begreift das ihre grosse Sehnsucht nach Liebe mit nichts in der Welt gestillt werden kann. In diesem Lebensabschnitt findet auch ihre eigentliche Bekehrung statt. Es ist eine kleine Bemerkung ihres Vaters, die sie in ihrer Sensibilität trifft, worauf sie normalerweise weinerlich reagiert hatte. Doch dieses Mal erfährt sie die enorme Kraft Jesu in ihrem Herzen, die sie ab jenem Zeitpunkt völlig verändert. Sie verspürt ein tiefes Verlangen Seelenfischerin zu sein, die Menschen vor der Hölle zu befreien und sich selbst zu vergessen. Dies obwohl sie nie in ihrem Leben mit «Sündern» zu tun hatte. Thérèse entdeckt für sich, dass wir nicht nur die Berufung haben in den Himmel zu kommen, also heiliger zu werden, sondern auch stellvertretend für Sünder zu beten. Die Bestätigung für diesen Lebenswandel findet sie in der Bekehrung eines Todgeweihten, für den sie intensiv zu beten begonnen hatte und der sich doch noch kurz vor seiner Todesvollstreckung öffentlich zu Jesus bekehrte.


3. Entdeckung des Grossen im Kleinen

Wie beeindruckend sie war, zeigt sich in ihrer Überzeugung der Stellvertretung in Ausübung von Gebet. Sie kam zum radikalen Entschluss das Seelenfischen durch Gebet das war was sie tun wollte. Mit 15 Jahren, ausserordentlich jung und daher mit grossem Aufwand, folgt sie ihren beiden Schwestern und tritt in den lang ersehnten, strengen Klosterorden von Karmel ein, um Seelen zu retten. Mit dem Eintritt in den Orden verpflichten sich die Mitglieder ihr Leben ab nun bis zum Tod nur noch im Innern des Klosters zu verbringen. Als Karmelitin macht sie wahnsinnige Gebete, die dieses heroische in ihr zeigten. Dabei erlebt sie auch eine Offenbarung über Fürbitte. Sie schreibt im übertragen Sinn: «Jesus hat so grosse Liebe zu uns, dass er uns teilhaben will am Heil der Menschen. Er will nichts ohne uns tun. Er wartet auf unser Gebet um andere zu retten. Gott liebt uns so sehr, dass er unsere Mitarbeit ersehnt.» Sie erkennt für sich, das Gebet und Opfer, als Akt der Liebe in der geistlichen Welt, ihre Waffen sind. Dabei sind die Opfer besser als das Wort. Das im Verborgenen hat Auswirkungen ins Sichtbare hinaus. Das Gebet ist für sie ein Aufschwung des Herzens, ein Blick zum Himmel.


Sie merkt das vieles was gross und herrlich aussieht, sich nicht im Alltag bewährt. Deshalb sucht sie die Bewährung im Kleinen. Z. B. erlebt sie eine sehr grosse Trockenheit während dem Bibellesen, sprich sie erlebt Langeweile, Lustlosigkeit, keine Erfüllung oder Gewinn für sich. Doch während dieser Gebets- bzw. Bibelzeit erkennt sie, dass sich eigentlich nur Jesus darüber freuen sollte und es gar nicht um sie selbst geht. Lobpreis und Anbetung sind weniger für uns Menschen, sondern mehr für Gott. Sie entdeckt das Grosse im Kleinen. Überdies tut sie weitere Dinge mit dieser Überzeugung. Sie bittet um die ältesten Kleider im Kloster für sich, die niemand mehr tragen wollte. Sie fühlt sich zudem berufen die zu lieben, die niemand liebt. Als sie merkt das sie damit bei einer Klosterschwester an ihre Grenzen stösst, entscheidet sie sinngemäss zu beten: «Jesus, ich kann sie nicht lieben, aber du kannst es.» Sie lernt, dass sie nicht die Welt verändern kann, aber dass ihr kleine Akte der Demut möglich sind. Dabei feiert sie ihre stärksten Kritiker und entscheidet sich Dinge die sie unglaublich nerven und einfach alles was ihr widerfährt in Frohmut für Jesus zu ertragen.


4. Entdeckung der Gnade

Wenn man für Gott arbeitet, soll man keine Anerkennung der Geschöpfe erwarten. Diese Weisheit ergänzt sie sinngemäss mit den Worten: «Demut ist die Erkenntnis über die Wahrheit wer wir sind. Wir sind nur das was Gott von uns denkt, egal was Menschen denken.» Weiter auch: « Ich bin nicht immer treu, aber ich verliere nie den Mut.»

Noch immer lebt in ihr der Wunsch Missionarin zu sein, worin sie leider immer wieder zurückgeworfen wird und sie zwingt treu im Kleinen zu bleiben. Für wen ist die Gnade Gottes schwerer zu verstehen? Für den Sünder oder den aus der heilen Welt? Der Sünder weiss er hat nichts aus eigener Kraft, doch der aus der heilen Welt muss das erst begreifen. Thérèse erlebt grosse Nüchternheit über sich selbst und rechnet sich seit diesem Punkt keine eigenen Werke mehr an. Sie erkennt, dass wenn sie keine eigenen Werke mehr vor Jesus hat, Jesus sie nach seinen eigenen Werken vergelten muss. So entdeckt sie die Gnade Jesu.

Für sie wird klar, Jesus bedarf unsere Werke nicht, aber unsere Liebe. So beschliesst sie Jesus mehr zu lieben als je jemand zuvor. Sie erlebt weiterhin alltägliche Trockenheit, will aber trotzdem gross sein. Sie schreibt über ihre Berufung, dass sie Apostel, Missionarin, etc., sogar Märtyrerin sein will, alle Opfer bringen, die je gebracht wurden, sie will alle Glieder der Kirche sein. Doch sie weiss das ihr das unmöglich ist und bemerkt das auch die Kirche ein Herz braucht. So entscheidet sie sich für das wichtigste Organ – die Liebe. Sie beschliesst ihre Berufung der Liebe anzunehmen, nur so könnte sie alles sein. Aus Liebe will sie leiden, sich freuen und singen. Doch auch mit dieser Berufung kann bloss Rosenblüten streuen um etwas von diesem Wohlgeruch Gottes zu hinterlassen. Sie hat die grosse Sehnsucht sich Jesus hinzugeben. So schreibt sie in etwa: «Ich bin nur ein kleiner Vogel, habe aber das Herz und die Augen eines Adlers und blicke immerzu in die Sonne.»


5. Entdeckung der eigenen Verlorenheit

Als Thérèse todkrank wird, erlebt sie plötzlich tiefste Nacht. Ihr wird bewusst, dass es Seelen gibt, die trotz der Gnade Gottes nicht zu Gott wollen. Sie leidet plötzlich unter starkem Zweifel und Gedanken, wie Atheisten sie haben. Sie weiss jedoch, dass das die Stellvertretung ist. Ihr kommen Überlegungen der schlimmsten Materialisten. Sie verfasst viele Gedichte über Prüfungen und Leid, während ihrer schweren Lungentuberkulose. Sie weiss es ist ihre Stellvertretung für ihre Generation zu leiden und so begegnet sie ihrer eigenen Verlorenheit. Alles was sie noch tun kann opfert sie der Mission. Die Seelenfischerin in ihr betet noch für die Missionare in Vietnam, die sie so gerne einmal begleitet hätte. In ihrer letzten Lebenszeit kommen ihr sinngemäss die Worte: «Ich bereue nicht mich der Liebe ausgeliefert zu haben.» Dann: « Ich hätte nicht gedacht, dass man so sehr leiden kann.» Weiter: «Es ist die reine Todesangst ohne Spur von Trost.» Und: «Alle meine Wünsche wurden erfüllt, selbst dieser, aus Liebe zu sterben.» Kurz bevor sie stirbt richtet sie sich noch einmal auf, schaut aufs Kreuz und sagt: »Oh ich liebe ihn mein Gott, ich liebe dich.» Dann ist Thérèse tot mit 24 Jahren.


Das Unglaubliche passiert noch nach ihrem Ableben. Sie starb zwar im Verborgenen, doch sie wird noch vor ihrer Beerdigung von vielen Menschen entdeckt, so dass ganze Menschenmassen sie beim Lauf zu ihrem Ehrengrab begleiten. Noch heute lesen Leute das Buch «Therese von Lisieux» und bekehren sich und an ihrem Grab passieren Wunder. So wurde sie, die Karmelitin, betend und verborgen vor der Welt, in der Katholischen Kirche zur Patronin für Weltmission ernannt.


Am Tag ihres Sterbens legte ihr die Karmel-Schwester, die Thérèse beschlossen hatte mit Jesus zu lieben, noch ein kleines Veilchen auf ihr Fensterbrett. Als Thérèse dann gestorben war und jene Schwester dann ihr Zimmer betrat, war der ganze Raum von einem intensiven Veilchenduft durchströmt.


Thérèse Geschichte ist der Abstieg aus unserem Gross-sein wollen. Es ist der Weg wie Jesus hinabgestiegen ist. Jeder von uns lebt ein Leben im Verborgenen, aber genau in all dem Kleinen entscheidet es sich. Dort können wir diesen Wohlgeruch hinterlassen, dort ist die Bergpredigt, die Nachfolge Jesu.







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